Bonner-Bürger-Blog

Ein Dialog-Forum von Stephan Eisel zu Politik und Musik

Beethovenhallen-Desaster für Zukunftswurf nutzen

Dass die Sanierung der Beethovenhalle nicht rechtzeitig zum Beethoven-Jubiläum 2020 abgeschlossen werden kann, war vorhersehbar. Erhebliche „Probleme mit Statik des Gebäude-komplexes und gravierende Schwierigkeiten mit dem Baugrund“ erzwingen einen de-facto-Baustopp. Der ehemalige Bonner Bundestagsabgeordnete Stephan Eisel plädiert dafür, diese Blamage zur Denkpause für einen Zukunftswurf zu nutzen.

Den folgenden Text können Sie hier ausdrucken.

 

Stephan Eisel

Beethovenhalle als vorhersehbares Desaster

Wie aus der Blamage eine Chance werden kann

Am 15. Februar 2018 musste auch der Bonner Stadtdirektor als zuständiger Projektleiter offiziell zugeben, was er lange leugnete: „Die denkmalgerechte Instandsetzung und Modernisierung der Beethovenhalle ist ins Stocken geraten. Der bisherige Zeitplan wird nicht zu halten sein.“ Damit ist die bisher immer versprochene Fertigstellung der aufwendigen Sanierung bis zum Beethoven-Jubi­läum 2020 gescheitert. Die Verzögerung beträgt mindestens 1 ½ Jahre. Diese Blamage für Bonn kam für viele Beobachter nicht überraschend, aber sie ist ein Desaster, denn die Verantwortlichen haben lange einfach weggeschaut – weil nicht sein kann, was nicht sein darf.

Die jetzt eingeräumten Schwie­rigkeiten bei der Sanierung sind ganz grundsätzlicher Natur. Wört­lich sind in der städtischen Mitteilung „Probleme mit der Statik des Gebäudekomplexes und gravie­rende Schwierigkeiten mit dem Baugrund“ be­nannt. So sei „die Bausubstanz der 1959 eröffneten Beethovenhalle ist nicht so gut wie erwartet“ und „die Standsicherheit einzelner Bereiche nicht mehr gewährleistet“. Man sei auf „fragile Bausub­stanz und bisher nicht näher identifizierbare Objek­te im tieferen Erdreich gestoßen“ und wisse noch nicht „welche Maßnahmen ergriffen werden müs­sen, um die Standsicherheit und Tragfähig­keit wiederherzustellen.“

Es zeugt schon von beachtlicher Chuzpe, dass der verantwortliche Projektleiter Stadtdirektor Wolf­gang Fuchs dazu sagte: „Diese Entwicklung war so nicht zu erwarten und hätte auch nicht im Vor­feld erkannt werden können.“ Dabei trägt er die Verantwortung dafür, dass offensichtlich eine aus­reichende Untersuchung des Baugrunds vor Baubeginn nicht erfolgte – obwohl jedem mit der Ge­schichte Bonns Vertrauten klar sein musste, dass für die Beethovenhalle der Untergrund einer dort künstlich aufgeschütteten Bastion wie Wackelpudding wirkt, verschiedene Fundamente alter Befes­tigungsanlagen und Kli­nikgebäude unterschiedliche statische Voraussetzungen schaffen und in der Nähe der damals ein­zigen Rheinbrücke mit Blindgängern aus dem 2. Welt­krieg zu rechnen ist.

Trotzdem hat sich Stadtdirektor Fuchs von Anfang an massiv für eine aufwendige Hallensanierung eingesetzt. Der General-Anzeiger berichtete dazu am 2. Oktober 2015: „Während Bonns künftiger Oberbürger­meister Ashok Sridharan eine aufwendige Sanierung der Beethovenhalle ablehnt, will Stadtdirektor Wolfgang Fuchs richtig investieren.“ Leider folgte ihm am 10. Dezember 2015 eine knappe Ratsmehrheit (43:35 Stimmen), obwohl die Verwaltungsvorlage ausdrücklich einen Be­schluss „schon vor Abschluss der Ent­wurfsplanung und Prüfung der Kostenberechnung“ verlangte. Eine Entscheidung auf einer sol­chen Grundlage zu treffen, war vom Rat ebenso fahrlässig  wie es unverantwortlich war, dem Rat über­haupt eine solche Entscheidung vorzuschlagen.

Auch in der Folge zeichnen sich die Ratsvorlagen zur Beethovenhalle immer wieder durch Intrans­parenz, Unklarheiten und Widersprüchlichkeiten aus. Es liegt auch bis heute kein Businessplan über die Wirtschaftlichkeit der Hallennutzung vor. Die Hallensanierung macht zudem immer wieder durch ständige Kostenexplosionen von sich reden – um durchschnittlich eine Million Euro monat­lich von 53 Mio Euro im April 2016 auf jetzt über 75 Mio Euro. Auch die verschobene Fertigstel­lung wird die Kosten zusätzlich nach oben treiben. Die Stadtverwaltung stellt dazu lapidar fest: „Zum jetzigen Zeitpunkt kann noch nicht beziffert werden, in welcher Größenordnung sich die Ge­samtkosten des Projekts erhöhen werden.“

Als zuständiger Projektleiter trägt Stadtdirektor Fuchs die Hauptverantwortung für das nunmehr eingetretene Desaster bei der Sanierung der Beetho­venhalle. Dem General-Anzeiger sagte er dazu am 12. Dezember 2017: „Wenn es schief geht, rollt mein Kopf“. Man wird sehen, ob er sich daran jetzt noch erinnert …

Wer die Lage nüchtern analysiert, muss feststellen:

  • Verwaltung und Rat haben mit der aufwendigen denkmalgerechten Sanierung der Beetho­venhalle eine gravierende Feh­lentscheidung getroffen.
  • Der Zeitplan der Hallensanierung ist gescheitert. Die aufgetretenen grundlegenden Probleme bei Statik und Bausubstanz lassen zur Zeit keine solide Aussage zu, ob und wann die Hal­lensanierung in der geplanten Form abgeschlossen werden kann. Beim Beethovenjubiläum 2020 steht die Beethovenhalle jedenfalls nicht zur Verfügung.
  • Die Gesamtkosten der beschlossenen denkmalgerechten Sanierung sind durch die neuen Probleme noch unkalkulierbarer geworden. Bis­her sind Aufträge in Höhe von 50 Mio Euro erteilt worden. Man muss davon ausgehen, dass dies weniger als die Hälfte der wahrschein­lichen Gesamtkosten sind. Tatsächlich verbaut sind bisher allerdings nur 10 Mio Euro.

Der entfallende Zeitdruck durch 2020 und der de-facto-Baustopp bis zur Klärung der Statik-Proble­me bietet aber auch die Chance für eine Denkpause. Es stellt sich nämlich die Frage, ob ein weite­res Vorantreiben des Projektes überhaupt sinnvoll ist. Angesichts der Bonner Überkapazität an Mehrzweckhallen ist das unbedingte Durch­peitschen der aufwendigen Hallensanierung nicht nötig. Dass bereits Geld ausgegeben wurde, ist auch keine Rechtfertigung dafür, das Millionengrab Beethovenhalle mit unkalkulierbarem Ausgang immer tiefer zu schaufeln. Die Beethovenhalle leistet als Mehrzweck­halle auch nach der Sanierung keinen Beitrag zur Profilierung Bonns als Beetho­venstadt, weil es dort keine Verbesserung der Akustik für die Zuhörer geben wird. In den Un­terlagen zum Sanierungsbe­schluss des Rates heisst es wörtlich „Projektgrenzen: Kei­ne raumakusti­sche Verbesserung des gro­ßes Saales für Musik“.

Liegt es nicht nahe, zumindest so lange innezuhalten bis in vier Monaten die Prüfung der Opernsa­nierung abgeschlossen ist ? Sollte sich herausstellen, dass dort eine Sanierung im Bestand nicht dar­stellbar ist, könnte der jetzige Standort der Beethovenhalle für den dann notwendigen Neubau eines integrierten Opern- und Konzerthauses in Frage kommen. Wie at­traktiv das sein kann, zei­gen seit längerem Baden-Baden oder Bregenz und seit wenigen Jahren Oslo und Florenz. Für die Beetho­venstadt Bonn bleibt ein moderner Kon­zertsaal jedenfalls auf der Tagesordnung – nicht nur wegen der klassischen Musik.

Im Blick auf das Beethovenjubiläum 2020 ist es sinnvoll, die Vielfalt von Spielstätten unter Einbe­ziehung des Rhein-Sieg-Kreises zu nutzen und das Thema mit Realismus und Kreativität anzuge­hen: International konkurrenzfähig ist lediglich der Kam­mermusiksaal im Beetho­ven-Haus. Aber mindestens so gut wie die Beethovenhalle  sind vorhandene Spielorte von der Oper und der kleinen Beethovenhalle in Muffendorf, über das WCCB mit dem Ple­narsaal, die Godesberger Redoute, der Telekom-Dome, die Posttower-Lounge, das T-Mobile- Forum, das Poppelsdorfer Schloß, der In­nenhof der Universität, die Rhein-Sieg-Halle usw. usw. Es wäre auch sinnvoll, wenn zum Beetho­ven-Jubiläum der Museumsplatz zwi­schen Bundeskunsthalle und Kunstmuseum wieder für Konzer­te genutzt werden würde. Auch eine Flussbühne am Rheinufer sollte ernsthaft geprüft werden.

Ohne die Beethovenhalle als Fixpunkt rücken beim Beethoven-Jubiläum 2020 die viel wichtigeren inhaltlichen Herausforderungen zur Profilierung Bonns als Beethovenstadt in den Mittelpunkt und Bonn wäre befreit zu einem attrakti­ven Zu­kunftswurf. Jetzt sind Mut und Gestaltungskraft der Kommunalpolitik und der Stadtgesellschaft gefragt. Man sollte die Hoffnung nicht aufgeben…

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